Eine Arbeit von Astrid Antpöhler Schülerin
des Gymnasium Schloß Neuhaus
Westfalen im 17.Jahrhundert
Am 13. Dezember 1618 wird Ferdinand von Bayern neuer
Administrator und Landesherr von Paderborn. Sein
eigenes Wappen
erhielt eine letzte Ergänzung durch das Paderborner
Kreuz.
1618 legt Althanasius Kircher durch Aufnahme seiner
Studien am Gymnasium den Grund für seine weltweitberühmten
Studien und tritt in die Gemeinschaft Jesu ein.
Am 28. Dezember 1621 Überschritt Herzog Chrristian
von Braunschweig die Grenze des Hochstifts Paderborn
in der Nähe von Warburg.
Am Abend des 1. Januars 1622 so wie am Morgen des 2.1.1622
richtete er ein Schreiben an die weltliche Regierung
des Hochstifts Paderborn. In ihnen schrieb er: Da sie
nun nicht mit ihm haben verhandeln wollen ..., so habe
es jetzt "sofort zu geschen " ..., sonst werde er,wozu
er in der Lage sei, "das gesamte Stift abrennen, die
Einwohner niederhauen und erschießen lassen, dass
sich noch Kindeskinder darüber beklagen sollten".
Er forderte als Ablösesumme:
von der Geistlichkeit: 10.000 Taler
von der Judenschaft: 30.000 Taler
von den Landesständen: 20.000 Taler
Um sein Geld auch zu bekommen läßt
Herzog Christian
sechs Dörfer um Paderborn herum anzünden.
Die Ortschaften Brenken und Steinhausen werden in diesem
nächtlichen Überfall völlig niedergebrannt.
Die von Dietrich von Fürstenberg unterdrückten
Protestanten hatten eine Gewisse Sympathie für
den Herzog , die sie auch offen zeigten. Sie wünschten
ihn herbei ,weil er der Befreier des Glaubensdruck
ist. So erklärten sie auf der Straße und
im Rat: "Hei mott darin un sall darin". Im Rathaus
hatte sich fast die ganze Bürgerschaft versammelt
und man erklärte, man müsse sich dem Herzog
fügen. Schon machten sich die meisten katholischen
Geistlichen aus dem Staub, und eine Gesandtschaft sucht
Christian in Lippstadt auf.
Sie bewilligte sein verlangen, für drei Tage in
die Stadt zu kommen, mit wenig Fußvolk. Am 29.
Januar, nach vergeblichen Warnungen des bischöflichen
Kanzlers Wippermann, rückte der Kapitän Neuhoff
mit einem Fähnlein Fußvolk in Paderborn ein,
während die Kurkölnische Besatzung ohne Widerstände
abzog. Am 31. Januar kam der Herzog selbst mit zahlreichen
Truppen nach Paderborn und quartierte sich im Jesuitenkolleg
ein. Schon bald begab er sich zum Dom und beraubte
ihn seiner Kostbarkeiten. Unter dem Hochaltar fand
man eine Bleikiste. Darin lagen 8.000 Goldstücke.
Jedes Goldstück war 5 Taler wert. Unter anderen
Altären und Grabgewölben fand man weiteres
Gold und Silber. Im Kapitelhaus fand man nochmals 8.000
Taler. Aber das schlimmste war, dass er den Silberschrein
mit den Gebeinen des Stiftheiligen Liborius und den
Domschatz geraubt hat. Das war für das katholische
Paderborn ein ungeheures Sakrileg.
Eine Woche dauerte die Plünderung der Stadt und
Abends wurde im Jesuitenkolleg gefeiert. Die Beamten
mußten 3.000 Taler zahlen damit sie im Amt bleiben
durften. In den Rat der Stadt wurden protestantische
Vertrauensmänner aufgenommen. Diese stellten auch
in der Marktkirche wieder einen protestantischen Gottesdienst
ein. Den Schaden im Jesuitenkolleg durch das schreckliche
Hausen wurden auf 10.700 Taler geschätzt. Auf
den Feiern abends nach den Plünderungen wurden
sogar zum Scherz die Kleider und Hüte der Jesuiten
versteigert.
Als fast alles verpraßt und verwüßtet
war verlangte der Herzog wie zum Hohn nochmals 20.000
Taler. Auch alle anderen Klöster mußten 1000
oder 2000 Taler Ablöse zahlen. Das bischöfliche
Tafelgeschirr, das geraubt wurde, hatte einen Wert
von 10.000 Talern. Am 6. Februar verließ der Braunschweiger
Paderborn, und begab sich wieder nach Lippstadt.
Aber nicht ohne eine starke Besatzung in Paderborn
zu lassen. Es gab kein Haus, das nicht nit Soldaten,
ihren Weibern und Kindern, Troßbuben und Pferden
überfüllt gewesen wäre. Im übrigen
Stifte sah es nicht viel besser aus. Auch Warburg,
das sich Anfangs mit Erfolg gewehrt hat, erhielt eine
Besatzung. Anfang März mochte das Stift Paderborn
ungefähr 12.000 Mann und einen ebenso großen
Troß halten. In Lippstadt angekommen wanderte
die Beute sofort in die Münze. Es wurden die berühmten
Pfaffenfeindttaler
geprägt, die auf der einen Seite die Aufschrift
" Tout avec Dieu 1622".
(Alles mit Gott), auf der anderen "Gottes Freund des
Pfaffen Feind" hatten .
Niederländisches Spottblatt zur Einschmelzung
des Liborischreins
Es wurde erzählt Christian habe die am Schreine
befindlichen Apostel angesprochen: "Was macht ihr hier?
Ich meine es stünde geschrieben: Gehet hin in
alle Welt! Doch ich will euch schon hinein schicken."
Nach dem Fall von Paderborn wurde nun auch der Rest
der Städte, die noch nicht in Christians Händen
waren, besetzt: Neuhaus, Lippspringe, Wünnenberg,
Driburg, Brakel und Borgentreich,
sowie die als feste Dörfer bezeichneten Orte Peckelsheim
und Borgholz. Die Dörfer und Städte mußten
alle Geschützte, Munition, Rüstungen und
Schußwaffen abliefern . Dieses wurde nach Lippstadt
gebracht. Am 15. Mai 1622 verließ er Paderborn.
Obwohl die Führer der protestantischen Paderborner
ihn kniefällig baten eine Besatzung in der Stadt
zu lassen. Mit Mühe brachte man ihn davon ab das
Jesuitenkolleg zu sprengen.
Bereits am 19. Mai 1622 rückte der, für den
Katholischen Glauben kämpfenden, Generalwachtmeister
Graf Anholt in Paderborn ein.
Zwei Protestanten verfielen darauf dem Henkerschwert,
andere die begnadigt wurden, mußten hohe Geldstrafen
bezahlen und wurden darauf des Landes verwiesen.
Jetzt stellte auch Ferdinand von Bayern die Verfassung
von 1604 in Ganzer Strenge wieder her.
Nun verloren auch die letzten Protestanten ihre Hoffnung,
denn die letzten Reste der "Ketzerei" wurden durch
Weihbischof Pelking vertrieben.
Zu aller Not wurde das Paderborner Land auch noch von
der Pest heimgesucht und durch die Hexenprozeße
geängstigt.
1626 stirbt Herzog Christian von Braunschweig im Krieg,
mit 26 Jahren. Die Reliquien des Hl. Liborius werden
nach dem Tod Christians in Lothringen wiedergefunden.
Von dort werden sie in das Brigittenkloster in Bonn
gebracht. Die Ordensschwestern finden bald heraus,
wem die Reliquien gehören. Sie bringen sie zum
Schloß nach Neuhaus. Dort war zu damaliger Zeit
der Bischofssitz.
Ende Oktober wurden die Reliquien des Hl. Liborius, in dem neuen von Hans Krako geschaffenen Schrein,
feierlich in den Dom gebracht. Aus diesem Grund wird
noch heute jedes Jahr am 25. Oktober das Fest der "Rückführung
der Reliquien" gefeiert. Dieser Gedenktag wird von
einer Kirmes, "Klein Libori" wird sie genannt, umrahmt.
Pater Friedrich von Spee
Einer der Großen der Heimischen Geschichte lebte
damals in Paderborn, Pater Friedrich von Spee (1635
t), der 1630 im Jesuitenkolleg am Kamp die Lieder seiner
"Trutz Nachtigall" schrieb und sein berühmtes
Werk der "Cautio Criminalis" gegen den Hexenwahn, das
1631 in Rinteln ohne Wissen des Autors veröffentlicht
wurde.
Am 24. Oktober 1631 rückte der Langraf Wilhelm
V. vor Paderborn und wollte als Oberkommandierender
in den Ländern zwischen Weser und Rhein, in seinem
Namen und dem des Schwedenkönigs Gustav Adolf,
Einlaß. Einige Kanonenkugeln unterstützten
seine Worte.
Im Gespräch mit den Räten kapitulierten diese,
und die Stadt mußte 15.000 Taler Brandschatzung
bezahlen.
Die 15.000 Taler wurden aus Bargeldmangel größtenteils
mit Silbergeschirr und Tuch bezahlt. Die Bürgerschaft
wurde zur Huldigung gezwungen, aber von Wiedereinführung
des protestantischen Gottesdienstes war keine Rede
mehr. Im November 1631 berief Gustav Adolf seinen Hessischen
Freund nach Mainz. Sie rückten also aus Paderborn
aus.
Im Dezember des selben Jahres ist Feldmarschall von
Pappenheim, der Nachfolger von Anholt, in Paderborn
eingezogen.
Am 16. November 1632 endete das Leben von König
Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen. Einer
der Tödlichen Schüsse wurde von einem Paderborner
abgegeben, Moritz von Falkenberg der als Oberstleutnant
auf kaiserlicher Seite kämpfte.
1633 wurde Paderborn erneut unter Beschuß von
Landgraf Wilhelm V. genommen, weil dieser noch eine
Verbindung zur Heimat haben wollte.
Das Paderborner Land wurde 1634 von vielen Banden unsicher
gemacht. Dadurch wurde die Leistungs - und Lieferungsfähigkeit
schwer beeinträchtigt. Um dieses Bandenwesen auszurotten
ernannte der Landgraf seinen Oberst Johann Geiß
(Geyso) zum Stadthalter von Paderborn mit militärischen
und Verwaltungsbefugnissen. Geyso gelang es den gefürchteten
Paul Daube unschändlich zu machen und einigermaßen
Ordnung zu schaffen.
Am 15. August 1636 beschoß der kaiserliche General
Graf Johann von Götz Paderborn mit ungewöhnlicher
Stärke. Nun war Paderborn wieder in kaiserlicher
Hand.
1639 bezogen die kaiserlichen Truppen in den Stiftern
Höxter und Paderborn ihr Winterquatier. Aber das
Land war so ausgesogen , daß einige Truppenteile
auswärts einquatiert werden mußten. Das verhinderte
aber keine Hungersnot unter der Bevölkerung.
1646 wurde Paderborn von der schwedischen Reiterei
von jeglichem Verkehr abgeschnitten.
Am 10. Mai erschien ihr
Oberbefehlshaber Graf Karl Gustav Wrangel
selbst vor Paderborn , und machte die Stadt Sturmreif.
Die Bürgerschaft kaufte sich Brand und Plünderung
für 25.000 Taler ab. Aber trotzdem nahmen sich
die Schweden alles was sie gebrauchen konnten: Pferde,
Schafe, Getreide, Speck, Hökerwaren, Wein, Bier,
Gewürz und sämtlichen Vorrat.
Am 20. Mai verließ Wrangel die Stadt und übergab
sie den Hessen.
Der Kaiserliche Kommandant von Wiedenbrück, Balduin
von Reumont, erschien mit 800 Mann in der Frühe
des 1. Dezembers 1646 noch bei Dunkelheit in Paderborn.
Dort ließen sich die Hessen völlig überraschen.
Die Kaiserlichen erstiegen die Stadtmauern und öffneten
das Westerntor von innen und außen gleichzeitig.
Sie nahmen die verschlafene Hessische Besatzung in
Gefangenschaft. Der größte Teil trat in Kaiserlichen
Dienst über. Von nun an war Paderborn wieder kaiserlich.
Königsmark und Rabenhaupt wandten sich gegen Paderborn,
der Kampf ging um die Kuhschanze, sie war ein Außenwerk
zwischen dem Western - und Neuhäusertore. Der
Wallone Ernst von Betremoville, ein Mann von Kaltblütigkeit
ud Umsicht, verteidigte die Stadt Paderborn gegen mehrere
Stürme von Königsmark und Rabenhaupt. Freiherr
von Lamboy, der auf der Kaiserlichen Seite kämpfte,
entlastete Paderborn durch einen Angriff auf Ostfriesland.
Königsmark und Rabenhaupt gaben am 13. September
1647 die Belagerung der Stadt auf, da sie einen hohen
Blutzoll bezahlt hatten.
Westfälischer Friede
Das Paderborner Domkapitel, unterstützt durch
das Bruderbistum Le Mans, wandte sich während
der Friedensverhandlungen an den französischen
Minister Kardinal Mazarin.
Daraufhin versprach Ludwig der XIV. "die Interessen
des von seinem Vorgänger Karls des Großen
gegründeten Bistums Paderborn gegen jedermann
zu schützen"
Die Franzosen witterten das Paderborn ihnen noch nützlich
sein könnte.
So mußten sich die Hessen mit einer Geldentschädigung
abfinden.
Quellen
1. Dreißigjähriger Krieg - Westfälischer
Friede
Helmut Lahrkamp
2. Der Weite Weg
Christoph u. Maria Ahrens
3. Westfälische Geschichte Band 2 Das Zeitalter
der Glaubenskämpfe
Hermann Rothert