Das gegensätzliche Lebensgefühl des Barock äußert sich auch in seiner
Lyrik: Memento mori (Absage an die vergängliche Welt und Hinwendung zum
Jenseits) und Carpe diem (Sinnenfreude und Lebensgenuss). Die Einstellung des
"Nutze-den-Tag" zeigt sich ganz deutlich in Paul Flemings
heiter-ironinschm Liebesgedicht "Wie er wolle geküsset sein". Zwei
Schüler der Deutsch-Grundkurses 11D-G2, der jetzt von Herrn Sroka geführt
wird, formulieren in Anlehnung an Fleming im Stil unserer Zeit einen ebenso
witzigen, ironisch-spöttischen Text. Von der Romantik und Inbrunst, von
der "Der Kuss" bei August Rodin in seiner gleichnamigen Marmorplastik
beseelt ist, bleibt kaum noch etwas übrig. Oder steckt hinter aller Ironie und
Häme doch die große Sehnsucht nach dem tiefen, wahrhaftigen Gefühl?
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