12 Monate in Melbourne, Australien:
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Wie kommt man auf die Idee für ein Jahr ans andere Ende der Welt zu reisen? Um ehrlich zu sein, am Anfang wusste ich das auch nicht so genau. Als das Thema zum ersten mal in Klasse 9 angesprochen wurde, habe ich mich noch nicht einmal sonderlich dafür interessiert, doch als ich dann auch das Angebot bekam, die 11 sowieso zu überspringen, was für mich eigentlich nie in Betracht kam, habe ich doch noch einmal genauer darüber nachgedacht. Meine Eltern waren vor Jahren schon einmal für 2 Wochen in Australien, und die Eindrücke, die diese wieder mitbrachten, waren umwerfend; ich wusste, da will ich auch mal hin. Nach einigem Hin und Her, und nachdem ich mich noch bei einigen Organisationen umgehört hatte, entschied ich mich schließlich doch (etwas zum Entsetzen meiner Mutter) dafür, ein Jahr "Down Under" zu verbringen. Formulare über Formulare wurden ausgefüllt, und danach begann das Warten. Zwar gab es noch ein Vorbereitungstreffen mit "Returnees" in Berlin und jede Menge Informationen, aber ansonsten erst einmal nichts. Obwohl die angehenden "Australier" normalerweise früh über eine Gastfamilie Bescheid bekommen, mussten wir doch lange warten, und meine Mutter wagte schon zu hoffen, dass ich doch nicht dieses in ihren Augen verrückte Unternehmen starten würde. Doch eines Tages kam der Anruf der Organisation, und es stand fest. Von da an gab es für mich kein Zurück mehr. Noch hatte ich einige Wochen Zeit die letzten Vorbereitungen zu treffen und noch ein wenig Kontakt zu meiner Gastfamilie aufzubauen. Am 29.06.2006 sollte es dann für mich losgehen. Der Abschied war schon
ziemlich schwer, schließlich war das ja schon eine lange Zeit, und
Australien ist ja auch nicht gerade um die Ecke. Meine Eltern brachten
mich noch nach Frankfurt, von wo aus ich die knappe 24-stündige Reise
antreten sollte. Zunächst einmal musste unsere Gruppe aber noch genau 24
Stunden im Frankfurter Sheriton warten, weil das Flugzeug eine Panne hatte. Immerhin konnten wir das Spiel
Deutschland-Argentinien noch live auf der Leinwand im Hotel sehen. Nach
einem 4-sündigem Aufenthalt in Singapore kamen wir auch wohlbehalten am
02.07.2006 morgens um 6 Uhr in Melbourne an, von wo ich dann von meiner
Gastmutter Colleen abgeholt wurde. Wir mussten jedoch erst noch auf meine
japanische Gastschwester Miki warten, die eine Stunde später aus Japan
ankommen sollte. |
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Dies sind meine Gasteltern Colleen und Kevin
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Hier kann man Stuart, Miki und mich sehen
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Zu meiner Gastfamilie an sich: Meine Gasteltern, Colleen und Kevin,
waren beide schon etwas älter, was aber mir nichts wirklich ausgemacht
hat, denn sie gaben sich beide noch sehr jung, was manchmal echt
lustig wurde. Neben meiner japanischen Gastschwester Miki, die nur bis
November bei uns blieb, gab es noch Colleens leibliche Kinder Stuart (18)
und Lauren (21). Am besten kam ich aber mit Miki und meinen Gasteltern
klar, da die anderen beiden kaum zu Hause waren. Gewohnt haben wir in
Carrum, einer kleinen Suburb von Frankson, was wiederum zu Melbourne
gehörte. Carrum liegt direkt am Strand zur Port Phillip's Bay. Ich musste
sogar nur 5 Minuten laufen, um an einem klasse Strand zu sein. |
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| Sonnenuntergang an dem Strand 5 Minuten von meinem Haus |
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An meinem 3.
Tag in Australien ging es dann schon in die Schule. Generell ging die Schule meistens von 8-15:15 Uhr in der 11. In der 12
hatte man 3 Stunden weniger. Es gab 2
Pausen, eine 20 min und die zweite wie gesagt die 50 Minuten Mittagspause,
wo man in der Cafeteria auch warm essen konnte (jedoch dann hauptsächlich
"Junk Food"). Zudem hatte noch jeder Schüler seinen Locker, um
Sachen zu verstauen und einen Schülerausweis, der gleichzeitig als
Büchereiausweis diente. An meiner Schule gab es eine ganze Menge Austauschschüler, oder besser gesagt Internationale, denn die meisten sind
nicht zu einem Austausch da, sondern sind für 1-3 oder auch mehr Jahre
nach Australien gekommen, um ihren Schulabschluss zu machen. Dies ist besonders
üblich bei den Japanern und Chinesen, von denen wir am meisten hatten. Nach der Schule
ging man meistens mit Freunden noch in
die Stadt (Frankston, nicht Melbourne), ins Kino, zum Strand
oder hat sonst noch etwas unternommen. Die eigentlichen Events fanden jedoch
am Wochenende statt. Man traf sich mit Freunden, ging nach Melbourne
(immerhin noch eine knappe Stunde mit dem Zug), oder meine Gasteltern nahmen
mich irgendwohin mit, um mir die Umgebung zu zeigen. |
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Meine ESL-Klasse am Abschluss der 11
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Der größte Unterschied zwischen
Australiern
und Deutschen, der mir aufgefallen ist, ist deren Gastfreundschaft und Freundlichkeit
gegenüber Fremden. Man
kann auf die meisten Leute einfach zugehen und sie nach irgendetwas fragen, und
man wird in den allermeisten Fällen freundlich und hilfsbereit empfangen.
Die Australier sind auch um einiges relaxter als wir Deutschen, was so viel bedeutet, als dass sie sich nicht so viele Sorgen
machen und vieles lockerer sehen. Auf der anderen Seite ist es schon merkwürdig,
dass die Australier keine starke Bindung zu ihrem Zuhause haben. Meine aus Neuseeland stammende Gastmutter hatte mit dem Haus, in
dem ich wohnte, bereits das dritte Heim; und obwohl sie und ihr Mann sehr viel Arbeit
in den Ausbau und die Renovierung des Hauses gesteckt hatten, bestand nahezu keine
Scheu, bei der nächst besten Gelegenheit wieder umzuziehen. Auch ist der
Kontakt zu den Nachbarn nicht sonderlich stark. Z.T. kennt man nicht
einmal den Namen der Nachbarn, die zwei Häuser weiter wohnen. Neben
der Schule hatte ich noch einige Highlights während meiner Zeit, die vor
allem im Erkunden des Landes lagen. |
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Vor dem Uluru, auch Ayers Rock genannt
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Das
nächste Highlight war Weihnachten im Sommer, auch wenn das
Wetter an Weihnachten selbst so schlecht war, dass es sogar gehagelt hat.
Es war schon leicht komisch in Badehose schwitzend an Schneemännern mit
Sonnenbrille und mit Lichterketten überhäuften Häusern
vorbeizulaufen. Noch in den achtwöchigen Sommerferien kam mein Vater, und wir haben zusammen sehr viel gesehen. Zuerst besuchten wir
Tasmanien, eine kleine Insel südlich von Melbourne, mit einer so vielfältigen
Natur, dass es kaum zu glauben ist. Danach hatten wir noch 3 Tage Cairns
mit dem Great Barrier Reef im Nord-Osten Australiens, von wo aus es dann
nach Sydney ging um anschließend durch die unglaubliche Landschaft Australiens
zurückzufahren. Dies war in vielerlei Hinsicht ein unglaubliches Erlebnis.
Die
Organisation meinte zwar, es sei nicht gut für mich, wenn ich besucht
werden würde, doch als mein Vater wieder fuhr, war ich bereits so
gefestigt, dass ich gar nicht mit ihm mit nach Hause fliegen wollte. |
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Strahan in Tasmanien bei Sonnenuntergang
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In
meinem 2. Halbjahr standen für mich gleich 2 Schulevents an. Zum einen
der Debutant Ball für Year 11. Die Herren mussten alle den gleichen Anzug
tragen, und alle Damen trugen ein weißes Kleid, was sehr an Hochzeit
erinnert, was ursprünglich auch der Sinn des Balls war. In 10 Tanzstunden
wurde uns eine Kür beigebracht, die wir an dem Abend vorstellten. Die Nervosität
vor vielen Leuten zu tanzen war schon groß, aber es hat riesigen Spaß
gemacht, und nachdem der eigentliche Ball um Mitternacht beendet wurde, wurde
woanders weitergefeiert. |
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Adele und ich nach dem Debutant Ball
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Treffen bei einem Freund vor dem Formel
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Zwischendurch
war ich noch mit einer guten Freundin auf einem Trip über die berühmte
"Great Ocean Road", wiederum eine Strecke mit unglaublich
schöner Landschaft. Dieser Trip ging nur über ein Wochenende, war aber
dennoch sehr schön, mit den 12 Aposteln, lauter Wasserfällen,
umwerfenden Küstenlandschaften und nostalgischen Sonnenuntergängen. |
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Das bin ich vor 2 der 12 Aposteln an der Great Ocean Road
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Klar, es gab nicht nur gute Zeiten. Die ersten
Wochen waren wirklich hart. Das deutsche Schulenglisch hilft beim Verstehen
gerade noch, aber beim Sprechen nur mangelhaft. Die Verständigung war
somit am Anfang sehr schwer, und zusammen mit persönlichen Schwierigkeiten
war es am Anfang nicht leicht für mich, richtig Anschluss zu finden, aber dies
wurde von Tag zu Tag besser. Nach einiger Zeit konnte man sagen, wo
man richtige Freunde finden konnte, und nach den ersten Monaten hatte man
diese nicht nur gefunden, man hatte sogar schon tiefe Freundschaften
aufgebaut. Nach fast genau 12 Monaten war es leider Zeit für mich zu gehen. Es
war wirklich extrem schwer das Leben, das mich so viel gelehrt und mir
soviel gezeigt hat, zurückzulassen und dafür in das alte zurückzukehren.
Natürlich wollte ich meine Freunde und Familie zu Hause wiedersehen, aber es hätte
sehr gerne noch später sein können.
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| Fotos, Text und Gestaltung: Jan Pöppel | |