Ein unvergessliches Jahr in Argentinien
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Don’t cry for me
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Das war das Motto meiner Abschlussparty, kurz bevor ich mich über die Austauschorganisation Rotary International dann am 9.8.2006 auf die lange Reise nach San Juan/ Argentinien gemacht habe. 24 Std. vom Start bis zur Landung - noch eben schnell durch den Zoll und dann durch die Tür, hinter der mich meine Gastfamilie und mein neues Leben für 1 Jahr erwarten sollten. |
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Meine Gefühle spielten verrückt. Einerseits war ich sooo müde, weil ich auf der Reise nicht wirklich viel geschlafen hatte. Auf der anderen Seite war ich aber auch total aufgeregt und hatte keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Naja, also ging ich durch die Tür mit dem riesigen Gepäckwagen vor mir, als auf einmal zwei Frauen auf mich zusprangen, mich in den Arm nahmen, auf die Wange küssen (wie das dort so üblich ist) und auf Spanisch auf mich einreden, wobei ich nichts verstanden habe. Alles was ich heraus bekam, war ein Hallo, und danach war’s auch schon wieder vorbei. Irgendwann tauchte dann mein Gastbruder, auch er war sehr schweigsam und schüchtern, aus dem Hintergrund auf. |
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Endlich in San Juan angekommen, war es auch schon
Zeit fürs Mittagessen, wo ich zugleich die restlichen
Familienmitglieder kennen gelernt habe. Das heißt: meine Gastbrüder
(16/24/29), meine Gastschwester(25) und meine beiden Gasteltern, wobei
mir da erst richtig bewusst geworden ist, was ich mir da eigentlich
„angetan“ hatte. Plötzlich war alles Wirklichkeit, ich war in
Argentinien - und es war nicht mehr nur der Traum davon. Es war doch auch
ein Schock, es so plötzlich Realität wurde. Zum Glück stand in den
ersten Tagen schon so viel an, dass ich gar keine Zeit hatte, darüber
nachzudenken. |
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Schon nach einigen Tagen konnte ich feststellen,
wie wichtig die Familie in Argentinien ist. Die Häuser sind auch schon
so gebaut, dass meistens alle Jungen sich ein Zimmer teilen und alle Mädchen
eines und hauptsächlich im Wohnzimmer gelebt wird. Die Schlafzimmer
werden nur zum Umziehen und Schlafen gebraucht. Außerdem wohnten alle
meine Geschwister noch zu Hause und für den Ältesten (29Jahre!!!!) war
es dann schon ein großer Schritt, als er ausgezogen ist, aber auch nur
bis zur Großmutter. =) |
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Allgemein kann man zum argentinischen Schulsystem sagen, dass die Schuljahre immer von Februar bis November dauern. Im Sommer, der von November bis Februar geht und sehr heiß ist, sind 3 Monate Ferien. Es gibt 12 Schuljahre, welche in Grundschule, Gesamtschule( es gibt keine Differenzierungen wie in Deutschland) aufgeteilt sind. Die letzten 3 Jahre sind wie eine Art Oberstufe, wobei es hier kein Kurssystem gibt. Man bleibt weiterhin in Klassen, kann sich nur auf einen der 3 Schwerpunkte( Sozial-, Wirtschafts- oder Naturwissenschaften) festlegen. Pisa hin und her, aber jenen Stoff, den ich dort in der Jahrgangstufe 12 gelernt habe, kannte ich schon aus unserer Klasse 10, zumindest was Mathe anbelangt. Den Rest kann man nicht vergleichen, da sie noch nicht einmal in Spanisch einen längeren Text verfassen mussten. So etwas wie Hausaufgaben gibt es dort auch nicht, da sie eh keiner machen würde. Also gibt es erst gar keine auf. Das Einkommen der Eltern spielt für die Ausbildung der Kinder eine wesentliche Rolle, denn wer auf einer privaten Schule lernt, hat danach auch bessere Chancen auf der Uni und somit im Leben. Und ein weiterer großer Unterschied im Tagesablauf der Schule bestand darin, dass sich jeden Tag in der ersten großen Pause alle Klassen 8 -12 versammelt haben und die argentinische Hymne sangen, während die Flagge gehisst wurde. Danach wurde jedes Mal gemeinsam gebetet, bevor die Pause begann. |
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Im November stand dann die erste Rotaryreise an, die Südtour. Dort durfte ich die Weiten dieses Landes kennen und fühlen lernen (nach 48h im Bus tut einem alles weh). Von Wale gucken über Feuerland, mit der suedlichesten Stadt der Welt bis hin zur Gletscherwanderung. Es war großartig und der Höhepunkt waren natürlich die letzten drei Tage in Bariloche. Bariloche ist ein kleines Dorf, landschaftlich wunderschön. Man lebt dort tagsüber davon, einen Schokoladenladen nach dem Nächsten zu besuchen und natürlich auch immer zu probieren und abends warten dann die besten und größten Discos des Landes auf dich - ich sag nur: wie im Paradies!!! Danach ging’s zurück nach San Juan, wo mich nach den 3 Wochen Südtour weitere 3 Monate Ferien erwarten sollten. |
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Und da der Sommer in Argentinien ein richtiger Sommer ist, kann man eigentlich den ganzen Tag nichts anderes machen, als im Pool zu liegen oder sich unter irgendeiner Dusche abzukühlen. Denn 40 Grad den ganzen Tag über sind dort keine Seltenheit. Dazu muss ich sagen, dass die Provinz San Juan zu 90% nur aus Wüste besteht und die restlichen 10 % waren die Stadt, in der ich lebte. Diese wurde durch das Schmelzwasser der Anden versorgt und war daher noch recht grün. Es gab also auch keinen Wassermangel. So verbrachte ich Weihnachten bei 40 Grad im Schatten, leider auch noch krank im Bett, während die andern sich nach der Bescherung auf den Weg in die Disco machten, wie das in Argentinien so üblich ist. |
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Ein paar Tage später ging es mir dann glücklicherweise
auch wieder besser, und so konnte ich mit meiner Familie doch noch nach
Mar del Plata fahren. Das liegt an der Ostküste von Argentinien und ist
gar nicht so weit von Buenos Aires entfernt (nur so 500 km oder so =)).
Dort verbrachte ich 2 sehr schöne Wochen mit meiner Familie und die eh
schon tolle Beziehung zwischen meinen Geschwistern und mir wurde noch
besser. So nahmen sie mich auch immer überall mit hin, gingen mit mir
aus und zeigten mir die tollen Discos in Mar del Plata. Nach dem
Weihnachtsurlaub hatte ich noch einmal einen Monat Ferien. |
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Ihr glaubt gar nicht, wie schnell ein Jahr vergeht.
So schwer ist mir, glaub ich, noch kein Abschied gefallen. Es ist
erstaunlich, wie sehr ich mich an die Leute gewöhnt habe und wie sehr
sie mir (auch jetzt noch) fehlen. Trotzdem musste ich mich Ende Juni
wieder auf den Heimweg gen Deutschland machen… |
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| Text und Fotos: Ann-Christin Weimann Gestaltung: Rainer Sroka und Nelli Schachtschneider |
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