Mein Aufenthalt in Wisconsin |
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Meine Reise begann gleich ziemlich aufregend, da es mein erster Flug war und der Flughafen in Chicago ja auch nicht gerade klein ist. Als wir dann in Chicago ankamen und auf unsere Weiterflüge warteten, stellte sich heraus, dass diese immer später gehen sollten und am Ende waren vier von unserer Gruppe nachts um eins immer noch dort, da unser Flug schließlich ge“canceled“, also gestrichen, war. Wir mussten in einem Hotel schlafen und am nächsten Morgen wieder auf den Flughafen fahren und sind am späten Nachmittag völlig übermüdet und aufgeregt bei unseren Gasteltern angekommen (und hatten zum Glück keine Willkommensparty). Meine Organisation hieß MAP (Munich Academic Program) und die Partnerorganisation in den USA hieß CCI (Central for Cultural Interchange). Beide Organisationen haben sich gut um mich und auch die anderen Austauschschüler gekümmert. Zum Beispiel hatten wir vor Ort und nicht nur in der Schule Ansprechpartner, die immer für uns da waren. Meine Gastmutter war selbst einer dieser Ansprechpartner und arbeitete für CCI (Natürlich war sie nicht auch meine Ansprechpartnerin). Trotzdem konnte ich mit ihr über viele Dinge reden und wusste immer schon im Voraus, welche Fehler ich besser nicht machen sollte, da sie mir so manche Geschichten von anderen Gastschülern erzählte. Wenn ich mich an diese Geschichten so erinnere, bin ich sehr froh, in meiner Gastfamilie gewesen zu sein, und habe erst Stück für Stück begriffen, wie gut ich es wirklich hatte. (Das soll hier aber keinen abschrecken.) Auch mit meinem Gastvater hatte ich ein sehr gutes Verhältnis, da er sehr weltoffen war und sich für viele Dinge aus Deutschland interessiert hat. |
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Vor Beginn der Schule habe ich
mit meinen Gasteltern eine ganze Menge unternommen. Wo ich mich schon im
Voraus besonders drauf gefreut hatte, war ein “Indian Pow Wow“. Das
ist eine Show, bei der die Ureinwohner Amerikas
ihre Kultur zeigen, dass heißt ihre Tänze, Musik und Kleidung.
Außerdem sind wir nach Minneapolis/ St. Paul, Minnesota zur „Mall of
America“ und meinem 29 Jahre alten Gastbruder und seiner Frau
gefahren. Minneapolis und St. Paul werden die „twin cities“ genannt,
da sie so nah beieinander liegen. Zusammen sind sie eine der größeren
Städte in den USA und dementsprechend groß war dann auch die „Mall
of America“. |
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Ich war allerdings nicht die einzige Austauschschülerin in unserer Schule. Eine meiner guten Freundinnen war eine Japanerin, Chihiro, deren Englisch leider sehr schlecht war, sich aber gebessert hat. Wir haben uns trotzdem sehr gut verstanden, weil wir einfach beide dasselbe erlebten. Wir hatten auch noch einen Jungen aus Brasilien in unserer Schule. Das war schon beachtlich: 115 Schüler und drei Austauschschüler und alle wurden sehr nett begrüßt und aufgenommen. Wir waren in der Schule einfach allen bekannt. Das ist auch der Grund, warum ich so froh war, in einer kleinen Schule zu sein. Überhaupt waren die meisten Schüler dort sehr freundlich und haben auch mal Komplimente verteilt. Nach ein paar Tagen hatte ich mich dann auch schon mit den Mädchen angefreundet, die dort meine besten Freundinnen werden sollten und die ich jetzt furchtbar vermisse. Mit ihnen hab ich so viel Spaß gemacht, gelacht und einfach eine wunderbare Zeit in der Schule verbracht. Auch wenn das für uns hier unverständlich erscheint, ich bin gerne zur Schule gegangen und hatte Langeweile, wenn die Schule mal wegen Schnee oder Eis ausfiel. |
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Wir hatten jeden Tag denselben
Stundenplan, was komischerweise nicht langweilig wurde. Gegen zwölf
hatten wir eine halbe Stunde Mittagspause und haben „school lunch“
gegessen. Außerdem wechselten die Schüler jede Stunde die Räume und
nicht die Lehrer. Dadurch gestalteten sie ihre Räume alle
unterschiedlich und sehr gemütlich. Durch die Schließfächer hatten
wir dann wie einen eigenen kleinen Bereich, den wir persönlich
gestalten konnten und dementsprechend sahen auch viele Schließfächer
aus. Außerdem mussten wir nicht ständig mit allen Büchern, Jacken
usw. in der Schule herumlaufen, sondern konnten wie zu Hause uns ohne
Lasten bewegen und auch so zum Mittagessen gehen. (Ich kann Schließfächer
in Deutschen Schule also auf jeden Fall empfehlen. Vor allem in der Oberstufe!) Der Unterricht ging jeden Tag bis
Viertel nach drei und dann
war der Schultag bei den meisten aber noch nicht zu Ende. Wer halbwegs
gut in der Schule war, hat dann irgendeinen „team sport“ gemacht. In
der ersten Saison (Sommer bis Herbst) gab es Volleyball für die Mädchen
und Cross Country für Jungen und Mädchen. (An größeren Schulen gibt
es natürlich viel mehr Sportarten, aber meine Schule war eben klein und
hatte nicht so viel Platz, Geld und Schüler, um mehr zu anzubieten.) |
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Zu erwähnen wäre vielleicht noch etwas Besonderes an unserer Schule (und dort allgemein an kleinen Schulen): Zwei meiner Fächer hatte ich in einem Klassenraum, der keinem Lehrer gehörte, in dem es aber eine Anlage mit Mikrophonen auf allen Tischen, einer Kamera für die Schüler und eine für den Lehrer und vier Bildschirme gab. Kurz gesagt, Klassen aus verschiedenen Orten wurden per Fernseher von einem Lehrer unterrichtet, den es für ein spezielles Gebiet eben nicht in jeder Schule gab. In Astronomie war also mein Lehrer und noch drei andere Klassen alle auf dem Bildschirm und wir haben uns auch selbst gesehen, was am Anfang ein bisschen ungewohnt war. Um „Thanksgiving“ herum gab es dann 10 Tage „dear hunting season“ (Hirsch Jagd Saison). Alle zogen sich orangefarben an und sind dann in den Wald hinaus (meistens auf ihren eigenen Grundstücken) und mindestens drei Stunden auf die Jagd gegangen. Glücklicherweise durfte ich einmal mit und es war echt super. „Hunting“ ist für manche Leute in Wisconsin ein so großes Hobby, dass es für sie wichtiger als Weihnachten ist. Orange ist ihre Lieblingsfarbe und jedes Jahr hoffen sie darum, einen besonders großen Hirsch zu erlegen (vor allem die Jungen). |
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In der zweiten Saison (Herbst bis Frühling) gab es dann Basketball für Jungen und Mädchen und Tanzen und Cheerleading für Mädchen. Ich war im Tanz- und Cheerleading-Team und hatte somit wieder jeden Tag zwei Stunden Training und einmal in der Woche Basketballspiele, zu denen wir während des Spiels „cheeren“ und in der Halbzeit tanzen mussten. |
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Außerdem sind wir natürlich jeden
Sonntag in die Kirche gegangen (oder fast jeden; manchmal hat’s über
Nacht geschneit und dann wollte niemand Auto fahren). Kirche war dort
ganz anders. Es gab keine Orgeln, dafür aber eine kleine Band. Außerdem
haben noch mindestens vier oder mehr Leute im „Background“ gesungen.
Es gab nicht nur einen Pastor, sondern einen, der gesungen hat, einen der
die Predigt gehalten hat, und noch einen für die Ankündigungen. Der
Gottesdienst war sehr intensiv. Viel mehr Jugendliche und junge Leute
mit Kindern sind in die Kirche gegangen. Und ich hab auch sofort
verstanden, warum. Dort war einfach was los. Man spürte die Freude der
Menschen, gemeinsam mit Freunden und Verwandten Gottesdienst zu feiern. |
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Wahrscheinlich würde ich diesen
Bericht in einem halben Jahr etwas anders schreiben, da ich erst vor
kurzem aus den USA wiedergekommen bin und mich immer noch nicht so
richtig eingelebt habe. Ich muss immer noch im Stillen lächeln, wenn
mir plötzlich lustige Erinnerungen einfallen und dann bin ich wiederum
traurig, weil ich nicht bei meinen Freunden sein kann. Mindestens einmal
pro Tag schau ich auf die Uhr, um zu sehen wie spät es gerade in Granton
ist. |
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| Text: Julia Polster Gestaltung: Christina Joachim |
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