Rechtskundekurs der Jahrgangsstufe 13
zu Gast beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe
   

Am 19.12.2011 fuhr der Kurs Rechtswissenschaft des Gymnasiums Schloss Neuhaus unter meiner Leitung im Rahmen der Vorbereitung des Abiturkurses 13RKG1 Rechtswissenschaft und im Rahmen einer Unterrichtsreihe zu den Grundrechten und den Grundlagen unseres Rechtssystems zum Bundesverfassungsgericht (BVerfG) und zum Rechtshistorischen Museum, das beim Bundesgerichtshof (BGH) angesiedelt ist, nach Karlsruhe.

Zunächst trafen wir beim Rechtshistorischen Museum ein, in dem die Rechtsgeschichte vom Codex Hammurabi bis zur Gegenwart präsentiert und aufgearbeitet wird. Beim Anblick dieses Gebäudes wird architektonisch sofort die Bedeutung Karlsruhes als zentraler Stadt des Rechts eindrucksvoll und symbolisch sichtbar.


Die Paderborner Gruppe wurde von Herrn Reichenbacher, Vorstandsmitglied des Rechtshistorischen Museums, durch die Räume geführt. Eröffnet wurde der Rundgang durch eine Betrachtung einer Nachbildung der im Louvre in Paris befindlichen Diorit-Säule des Codex Hammurabi, weiterhin wurden Einblicke in Exponate aus dem Babylonischen sowie Griechischem Recht gegeben. Besonders interessant war die Darstellung der frühen deutschen Rechtsgeschichte mit ihren Land- und Stadtrechten, v.a. dem Sachsenspiegel und der Goldenen Bulle, dann aber auch die Darstellung der Rechtsgeschichte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation unter Einbeziehung des Reichskammergerichts. Schließlich wurden Einblicke in die sog. Naturrechtsgesetzbücher, wie z.B. das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten, der Code Civil usw. vermittelt. Sehr aktuell ist die Präsentation zur Entwicklung zum modernen Verfassungs- und Rechtsstaat. U.a. hat das Bundesjustizministerium dem Rechtshistorischen Museum ein Teilstück der Berliner Mauer überlassen.

Nach dem Besuch im Museum bekamen wir noch Gelegenheit, Räume des Bundesgerichtshofes, der dem Museum gegenüber liegt, zu besichtigen, er ist im Erbgroßherzoglichen Palais seit 1950 untergebracht. So konnten wir dann einen Sitzungssaal betreten und auf den Stühlen der Richter des BGH Platz nehmen und Fotos machen.

Nach der Mittagspause führte uns dann Herr Oberregierungsrat Meier durch das Bundesverfassungsgericht, dem höchsten deutschen Gericht in unserer Demokratie. Er hielt einen sehr informativen Vortrag zu Zielen und Aufgaben dieses Gerichts und bezog dabei die Schülerinnen und Schüler mit ein, indem er sie in die Rolle der Verfassungsrichter hineinversetzte und sie einlud, auf den Stühlen der Richter des Hohen Gerichtes Platz zu nehmen. In einem Nebenraum des Gerichtssaals, in den sich die Richter zu Beratung zurückziehen, befand sich auch die Garderobe mit den Roben der Richter. Die Schülerinnen und Schüler durften diese ansehen und anfassen, haben sich dann wohl nicht getraut, zu fragen, ob sie einmal eine Robe anziehen dürften. Allerdings zeigten sie sich bei den Führungen durch das Bundesverfassungsgericht und durch den Bundesgerichtshof als sehr sachverständiges Publikum. Sie haben viele Ergebnisse aus unserem Unterricht in ihre Fragen und Antworten mit eingebracht, sodass sich Herr Meier nach sachkundigen Äußerungen eines Schülers schon scherzhaft zu der Bemerkung veranlasst sah, hier würde schon ein zukünftiger Verfassungsrichter sichtbar werden.

Unser großer Dank gilt den beiden Herren, Herrn Reichenbacher und Herrn Meier, die so schülerorientiert und spannend die Bedeutung unseres Verfassungsstaates erläutert haben.

Bedeutsam an dieser Fahrt war nicht nur die Vertiefung und Versinnbildlichung der im Unterricht erworbenen Kenntnisse, sondern auch die Weiterentwicklung einer Überlegung zu einer beruflichen Perspektive auf Seiten der Schülerinnen und Schüler, zukünftig als Jurist oder Juristin arbeiten zu wollen und, das ist besonders für die Entwicklung eines staatsbürgerlichen Bewusstseins wichtig, zu verstehen, dass unser Verfassungsstaat aus komplexen historischen Zusammenhängen  im Kampf um Recht und Freiheit  entstanden ist, den es immer neu zu verteidigen gilt.

Sarah Kesselmann, Studienrätin

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