Jung trifft alt:
Schülerinnen zum Interview in Seniorenheimen unterwegs

„Erziehung im Nationalsozialismus“ steht auf dem Pflichtlehrplan für den Pädagogikunterricht der 13 - auf den ersten Blick für Schüler wenig attraktiv, da außerhalb der eigenen Realität und schon oft ein Thema in anderen Fächern. Um nach der Pflicht zur Kür zu kommen, entschieden sich einige Schülerinnen selbst auf diesem Gebiet zu „forschen“. Im Unterricht wurden Inhalte der nationalsozialistischen Erziehungsideologie zunächst mit Hilfe von Texten und Filmbeispielen erarbeitet, dann wurden Zeitzeugen hierzu befragt. Herausfinden wollten die Gruppen, ob ihr Wissen aus Büchern mit den Erinnerungen der Befragten übereinstimmt. Außerdem war der Kurs auf persönliche Geschichten und Paderborner Besonderheiten gespannt. Mit vorbereiteten Fragebögen ging es nach Terminabsprachen los zu Gesprächen in Seniorenheimen.
Hier zwei Kurzberichte:

 

Als wir am Westphalenhof ankamen, erwarteten die drei Senioren uns bereits und begrüßten uns herzlich. Von der Idee, mit Zeitzeugen über das Thema der Erziehung im Nationalsozialismus zu sprechen begeistert, begannen wir mit dem Interview. Die Zeitzeugen beantworteten uns jede Frage gerne und sehr ausführlich, wobei sie des Öfteren in Diskussionen verfielen, da nicht alle die Zeit des Nationalsozialismus gleich erlebt haben. So wurden uns auch im Laufe des Interviews verschiedene Facetten der Zeit eröffnet, welche bei uns ein noch größeres Interesse weckten. Nach ca. 2 Stunden und vielen neuen Erfahrungen waren wir am Ende unseres Interviews angelangt, obwohl die Senioren gerne noch länger von ihren Erlebnissen berichtet hätten. Sie freuten sich alle sehr darüber, dass die Jugend von heute diesem Thema noch ein so großes Interesse schenkt und boten sich auch für weitere Fragen in der Zukunft an. Insgesamt war es ein gelungener Nachmittag, welcher nicht nur den Senioren sehr viel Freude bereite.
Mara Kemper & Kristina Windgassen

 

 

Ein Samstagnachmittag für die Erziehung von damals

 

Am Samstag den 1.10.2011 um 15.15 Uhr fanden sich drei Oberstufenschülerinnen eines Pädagogikkurses des Gymnasiums Schloss Neuhaus zusammen, um gemeinsam dem Altersheim in Hövelhof einen Besuch abzustatten. Forschungsziel dieses Ausfluges war einen Einblick in die Erziehung der nationalsozialistischen Zeit zu gewinnen - und zwar aus erster Hand.
Empfangen wurden die Drei von einer Sozialarbeiterin, die die Gesprächsrunde zusammen mit den drei Schülerinnen leiten sollte. In dem Aufenthaltsraum saßen schließlich mehrere Damen und Herren, die bereit waren, über die Erziehung um 1933 zu berichten und ihre Sicht der früheren Sachlage zu beschreiben.
Und dann wurde interviewt, ausgefragt, zugehört, aufgeklärt, ergänzt und fleißig mitgeschrieben.
Um einiges schlauer und um viele Erfahrungsberichte reicher, verließen die Schülerinnen gegen ca. 16.00 Uhr das Altersheim um ihre Ergebnisse zusammenzufassen und in der nächsten Unterrichtsstunde zu präsentieren.
Corinna Vullhorst, Vanessa Fandrey, Hanna Wewer

Die Ergebnisse können hier nicht im einzelnen dargestellt werden, aber zur Überraschung aller (und zum Leidwesen der Lehrerin) unterschieden sich die Aussagen der Senioren schon sehr von der dargestellten Wirklichkeit in Schulbüchern. Ihre Kindheit unter dem Hakenkreuz schilderten die Befragten durchweg positiv - keine Spur von blindem Gehorsam, Drill, fehlender Individualität oder Freiheit. Die Rede war vielmehr von spannenden Sportaktivitäten an den Fischteichen, gelebter Gemeinschaft und einer schönen Schulzeit. Die nationalsozialistische Ideologie (Zitat: „Arier, kenn ich gar nicht das Wort.“) schien den Befragten nicht bewusst oder selbstverständlich gewesen zu sein, so, wie auch die politische Entwicklung eher passiv wahrgenommen wurde (Zitat: „Hitler, den haben wir so hingenommen.“)

Was soll man machen, wenn die Ergebnisse der Interviews nicht mit den Ergebnissen aus der Literatur übereinstimmen? Man sucht nach Gründen, die von den Schülern auch schnell gefunden wurden.

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Die befragten Senioren kennen nicht den Vergleich zu heute (Schule, Freizeit) und wurden auch nicht so kritisch erzogen.
Die Angebote der HJ und auch die Schule waren willkommene Abwechslung zur harten Feldarbeit.
Besondere Stellung Paderborns mit eher ländlicher Struktur und weniger Entbehrungen oder Kontrolle als in Großstädten.

Die wichtigste Erklärung kam dem Kurs aber, als sich jeder selbst an seine Kindheit erinnern sollte. Alle dachten ausschließlich an schöne Ereignisse, wie Weihnachten oder Urlaub, niemand an schlechte Schulnoten oder Strafen. So muss es auch bei den Interviewpartnern gewesen sein.

Text: Diana Kamp

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